Sonntag, 08.05: Sofia, Plovdiv
Ganz im bulgarischen Sinne, wie uns gestern unser Stadtführer erklärt hat, haben wir ausgeschlafen, einen Tee geholt und dann ganz in Ruhe unser Zimmer zurückgegeben. Heute sollte es nach Plovdiv gehen, zweitgrößte Stadt Bulgariens und europäische Kulturhauptstadt 2019 – auch wenn wir letzteres erst nach Ankunft wegen der Aufschrift auf vielen Gebäuden erfuhren. Doch so weit sind wir noch nicht – zurück nach Sofia. Nach dem Tee sind wir nochmal in die Stadt, ein Mittagessen holen, und dann ging es mit der U-Bahn zum Zug. Wie in der Tram auch per Kreditkarte, wie modern und praktisch. Natürlich geht das auch anders, aber bevor wir uns zum selben Preis ein Ticket am Kiosk holen..

Am Bahnhof angekommen sind wir dann in unseren Zug eingestiegen, einen alten Abteilwagen mit 8er-Abteilen, der die ganze Fahrt über ununterbrochen geschwankt hat – so schlimm, dass L ein paar Reiseübelkeits-Tabletten einwerfen musste.

Nach ein paar Stunden Geschaukel, in denen L (erfolgreich) probierte, sich nicht zu übergeben, und J (erfolgreich) ein paar Blogartikel vorschrieb, kamen wir dann in Plovdiv an. Wir liefen durch einen Park und eine Fußgängerzone an der Moschee vorbei zu unserem Hostel in der Altstadt. Die letzten paar hundert Meter waren sehr anstrengend, es ging einen Berg hoch bei sehr mittelalterlich gehaltenem Kopfsteinpflaster.
Dann kamen wir erschöpft an, durften direkt etwas kühles trinken (oder einen Kaffee) und bekamen unser Zimmer gezeigt. Schön hier.

Danach wollten wir in die Stadt, haben aber erstmal das Problem gehabt, dass hier alle Übergänge (oder sollte ich besser Untergänge sagen?) über die großen Straßen in Form von Treppenbehafteten Unterführungen gestaltet waren. Wir machten also einen riesigen Umweg und kamen statt ins Stadtzentrum an den Fluß. Auch schön.
Nach mehreren Kilometern auf dem schön ausgebauten Radweg am Fluß (breiter als der Elberadweg an manchen Stellen) kamen wir dann an die Fußgängerzone, die in die Innenstadt führte. Diese liefen wir entlang und fanden auf dem Weg einen Billa (die gibt es auch hier..) und wollten da was einkaufen. Doch irgendwas stimmte nicht ganz..

Egal, wir probieren es und zum Glück gibt es einen Aufzug, der uns in ein Labyrinth aus Geschäften gibt, das zwar viele Ausgänge hat, aber bis wir einen (fast) ebenerdigen finden..
Dann machen wir weiter an der Synagoge vorbei zu einem der Brunnen, wo wir was aßen, während ein paar Meter weiter junge Mütter probierten, ihre kleinen davon abzuhalten im Brunnen baden zu gehen. Leider waren sie erfolgreich, denn ansonsten hätten wir einen Grund gehabt, in den wie ein Schwimmbecken im Freibad mit blauem Boden ausgestatteten Brunnen zu springen.
Dann sind wir einen Platz weiter, wo L sofort die einen Volkstanz tanzende Menschengruppe auffiel und sich ihr wie magisch angezogen näherte. Zur Musik wurde in einer überraschend synchronen Choreographie im Kreise getanzt, während sich dabei an den Händen gehalten wurde. Und jung und alt kannten den Tanz, denn irgendwie wusste jede:r was zu tun ist.

Danach haben wir den Abend im Hostel ausklingen lassen, wurden in eine Jazzbar eingeladen, haben dann aber die zwei Niederländerinnen getroffen, die mit uns auf dem Zimmer sind. Schnell stellte sich heraus, dass die eine Mathe studiert hat (und die andere was mit Medizin), sodass sich ein reges, nerdiges Gespräch entwickelte.
Irgendwann gesellte sich noch ein etwas älterer Frauenheld, Geschäftsmann und Wunderheiler dazu, der wahnsinnige Geschichten zur Physik (Quantenphysik und Relativitätstheorie ist alles quatsch) und zur Medizin (man kann mit Wellen alles heilen und mit den Körperzellen kommunizieren) erzählte. Sogar L wolle er kostenlos heilen können, doch diese war nicht so überzeugt von der Aussicht. „So was haben mir schon so viele Menschen angeboten“, sagte sie später, als wir wieder unter uns waren.
Die Niederländerinnen waren recht schnell gegangen und haben zwischendrin auch probiert uns zu retten, doch wir haben den Wink mit dem Zaunpfahl natürlich nicht verstanden. Als wir dann später aufs Zimmer kamen, klärten sie uns auf. Die Mathematikerin sagte dann zur anderen: „Ich hab es dir doch gesagt, das sind Mathematiker:innen, die werden das nicht verstehen“. Recht hatte sie.
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