In Plov(e)div

Montag, 09.05: Plovdiv/Пловдив

Nachdem wir das sehr großzügige (für 1,10€ Aufpreis) Frühstück und ein paar Tassen Tee oder Kaffee genossen haben, wollten wir uns mal wieder eine Stadtführung holen. Auch wenn es hier mit der Altstadt und den Treppen sicherlich noch anstrengend werden sollte, doch probieren können wir es.

Und so trafen wir uns mit einigen anderen an dem Brunnen, wo gestern fast ein paar Kinder reingefallen waren, und bekamen etwas über die 7000-Jährige Geschichte Plovdivs erzählt – der ältesten dauerhaft besiedelten Stadt Bulgariens, wie der Stadtführer stolz mitteilte.

Über Römer, Ottomanen und Bulgaren und all die anderen Stämme, die hier lebten oder die Stadt eingenommen haben, und wovon wir noch was sehen konnten wurde uns erzählt. Und doch war die erste Station die Statue eines Bürgers der Stadt, der bekannt war als Glücksbringer und Frauenheld, und die Sage besagt, wenn man ihm einen Wunsch ins Ohr flüstere, so werde er erfüllt – und, noch wichtiger: Wenn man seine Beine rubbele, so bekäme man ein erfülltes Sexleben. Mal schauen, ob mindestens eines von beiden wahr ist..

Besagte Statue von Milo. Man sieht ihr an, was die Menschen haben wollen.. (Beachte seine eine Hand..)

Dann gingen wir weiter zu den Überresten des römischen Stadions, die nur teilweise ausgegraben wurden, da sie unter diversen großen Gebäuden an der Fußgängerzone liegen. Die Einwohner sagen daher zum Beispiel, das der H&M der Stadt der historischste ist, den es gibt, denn im Keller des Gebäudes kann man die Überreste des Stadions sehen. Auch eine Moschee aus Ottomanischer Zeit gibt es, diese ist bis heute in Benutzung und steht direkt im Zentrum der Fußgängerzone.

Dann besuchten wir das Stadtviertel Kapana (Капана), was übersetzt so viel wie „Falle“ bedeutet und daher kommt, dass die Gassen hier verwinkelt sind und alles kreuz und quer gebaut ist. Vor dem Kommunismus waren hier kleine Lädchen untergebracht, diese mussten dann schließen und in den letzten Jahren haben sich in den verlassenen Läden diveres Lokale und Restaurants niedergelassen, sodass die Falle jetzt das beliebte Ausgehviertel der Stadt ist.

Dann gingen wir in die Altstadt, wo wir erzählt bekamen wie die Stadtmauer immer mehr wuchs und dann während des Ottomanischen Reichs nicht mehr benötigt wurde (die nächste Grenze war 500km entfernt) und dann einfach als Mauer für Häuser benutzt wurde. So auch bei unserem Hostel, wo man noch Überreste der Mauer im Frühstücksraum sehen konnte.

Dann ging es auf einen der sieben Berge der Stadt, von wo aus man die anderen Berge gut sehen konnte und wo noch Überreste einer Befestigung standen. Uns wurde erklärt, dass die Stadtbevölkerung als Volkssport das sogenannte „Eilaking“ hat, das faul herumliegen auf den Steinen oder mit einer Hängematte oder so. Und genau das ist der Grund, warum wir nur noch sechs Berge sehen, denn anstatt in das nur 20km entfernte Gebirge zu gehen, hat man kurzerhand den kleinsten Berg abgetragen, um daraus Pflastersteine zu machen. Trotzdem sagten die Menschen, dass es sieben Berge gibt, der siebte ist halt beim „Eilaking“ und hat sich in Form von Pflastersteinen quer über die ganze Stadt gelegt.

Unsere Stadtführung auf dem Hügel

Dann haben wir noch etwas über die eine Kirche gelernt, die sehr aufwändige Gemälde hat – alle mit griechischer Inschrift, weil das bis ins 19. Jahrhundert die Sprache der Gelehrten hier war und sogar Gottesdienste bis weit danach auf Griechisch gehalten wurden.

Zum Abschluss der Stadtführung sind wir dann zum alten römischen Theater gegangen, das in den 60ern gefunden wurde und inzwischen (mit Originalausstattung und ohne viel Sanieren) für Theater- und Musikveranstaltungen genutzt wird. Im Sommer soll täglich eine Aufführung sein, heute leider nicht.

Zum Abend sind wir dann noch auf einen anderen der sieben Berge gegangen und haben damit insgesamt fünf davon bestiegen: den mit den Ruinen, diesen, die zwei zwischen denen das Theater war, und natürlich den, der sich über die ganze Stadt gelegt hat. Auf diesem Berg wurde während der Sovjetzeit eine Statue für einen unbekannten Soldaten errichtet – und, man schaue auf das Datum, natürlich haben zum Tag der Befreiung viele Personen dort Blumen, Vodka, Brot und ähnliches abgelegt. Besonders beängstigend waren die Zettel mit einem „Z“ darauf, von denen hier einige lagen.

Wir genossen hier noch den Sonnenuntergang, für den wir eigentlich hochgekommen waren und sind dann wieder heruntergerollt. Witzigerweise haben wir oben Oren getroffen, der mit uns im Hostel ist und gerade eine Radtour von Istanbul nach London macht. Da er auch schon bei der Stadtführung dabei war und wir uns gut verstanden, haben wir uns direkt zum Essen verabredet.

Die Statue mit etlichen Blumenkränzen
Und langsam geht die L die Treppen runter (oder wird sie gegangen?) – Ähm nope, du hast mich getragen…

Danach sind wir in die Innenstadt, haben auf dem Weg einen CCC direkt benachbart zu einem Hotel Leipzig gesehen (das kann doch kein Zufall sein!1!!1!!) und dann haben wir noch ein bisschen die Atmosphäre am alten Stadion genossen, bevor wir mit Oren essen sind. Der Brunnen, der wie in Barcelona Musik- und Lichtschau haben sollte, war eine Enttäuschung, es gab nur Lichter, aber keine Musik. Leider hatte dann auch noch das angepeilte Restaurant gerade die Küche zu gemacht, sodass es stattdessen Burger und Pizza gab. Auch lecker, aber nach den anstrengenden Weg auf den Berg rauf hätte eh fast alles geschmeckt.

2 Kommentare

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Schön …. Und die vielen netten Menschen … Begegnungen sind schon cool
Erfahrungen austauschen, lustig sein, Spaß haben ….
Sonst macht ihr ja die richtige Kultur Reise mit den ganzen Stadtführungen. …. Alles Achtung

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