Lust auf Stadtführung?

Samstag, 07.05: Sofia

Nachdem wir ein wenig was gefrühstückt und den langsam schon zur Sucht gewordenen kostenlosen Tee zu uns genommen hatten, haben wir uns zu einer Stadtführung angemeldet. Die „Free Sofia Tour“ veranstaltet täglich und auf Spendenbasis eine Stadtführung, und da haben wir teilgenommen.

Zunächst haben wir etwas zu Sofias knapp 7000-jährigen Geschichte erzählt bekommen, und dass die Stadt eigentlich anders hieß, aber die Menschen einfach gesagt haben „Ich sehe die Sofia“, wenn sie sich der Stadt näherten (und damit die Kirche der Ag. Sofia meinten, die weithin sichtbar auf einem Hügel stand) – und das wurde bei einer Invasion fälschlicherweise als Name der Stadt angenommen, und bis heute beibehalten.

Dann haben wir diverse Ruinen aus der Römerzeit gesehen, den Platz der Versöhnung besucht – hier stehen an einem Platz vier fünf Tempel verschiedener Religionen, nämlich eine orthodoxe Kirche, eine katholische Kirche, eine Moschee und eine Synagoge. Und als letztes ist 1990 auch der Tempel des Kapitalismus dazugekommen, der mit seinem geschwungenen, gelben M für seine Gläubigen stets ein „festliches Abendmahl“ parat hat.

Dann ging es noch zu einem Schwimmbad, das in ein Museum umgewandelt wurde und wo man draußen mineralisches Wasser mit angeblich heilenden Kräften trinken konnte (mal sehen ob es hilft), an den Platz, der in der Zeit des Kommunismus der Regierung diente (inklusive Casino unten drin im einen Gebäude, und „Shoppingcenter“ im anderen). Dort lernten wir auch, dass man nicht nur auf einen Trabant mehrere Jahrzehnte warten musste, auch bei Lada+co gab es die Wartelisten (hätte man sich eigentlich auch denken können), sahen eine Kirche, die die Kommunisten eigentlich abreißen wollten, aber mit der Tugend des Bestechens dazu überredet wurden, sie nur durch hohe Gebäude drumherum aus dem Stadtbild verschwinden zu lassen.

Auch lernten wir die zweite bulgarischen Tugend kennen, die dazu führte, dass trotz der Allianz mit Deutschland im zweiten Weltkrieg alle bulgarischen Juden dem deutschen „Umgang“ entfliehen konnten – das berühmte „ja, das machen wir morgen“. Wahnsinn, dass das funktioniert hat. Leider wurden die Juden dann während der Sovjetzeit aus Bulgarien vertrieben, wie wir sodann lernten.

Dann ging es noch zu einigen Kirchen und zuletzt zur namensgebenden „Hagia Sofia“, die – prunkvoll wie die meisten orthodoxen Kirchen – auf einer kleinen Anhöhe thronte.

Die Hagia Sofia zu Sofia. Schön im inneren, doch wollten sie für Fotos 10 Leva haben, also haben wir keine gemacht

Nach der langen Stadtführung machten wir nochmal die Innenstadt unsicher, machten uns was zu Essen im Hostel (wie gut, dass es eine Küche gibt) und haben uns dann abends mit einer Truppe unterhalten, die Bier- und Weinvernichtend im Gemeinschaftsraum saß. So lernten wir einen verrückten Schweden kennen, der uns kurzerhand zum Mittsommerfest in seine Heimatstadt einlud, einem Niederländer, der uns die erste Strophe der deutschen Nationalhymne vorsang und nicht einsehen wollte, warum das uncool war – und ein wenig später auch die drei wahrscheinlich einzigen dauerhaft in Sofia wohnenden Isländer, die uns erzählten, wie günstig das Bier hier doch ist.. Skål!

Sofias Fußgängerzone. Im Hintergrund kann man gut den Berg erkennen
Schöner Springbrunnen auf einem der großen Plätze
So leicht ist eine L glücklich zu machen!

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