Dienstag, 24.05: Vilnius, Turmantas, Zarasai, Daugavpils, Riga
Heute soll es über eine weitere schwierige Grenze gehen: Von Litauen nach Lettland. War Polen – Litauen noch pre Flixbus auf kurzer Strecke überquerbar, haben wir hier die Wahl, mitten in der Nacht per Bus zu fahren, mit Zug+Bus (20€/Person für den Bus) über Siauliai zu fahren oder eben – und dafür hatten wir uns entschieden – bis an die Nordöstliche Grenze Litauens per Bimmelbahn zu fahren, dort knappe zwei Kilometer über einen kleinen Weg nach Lettland zu laufen und dann mit dem Stadtbus von Daugavpils für je 1,50€ in die Stadt zu fahren. Von dort kann es dann per Zug nach Riga gehen. In Daugavpils ist 3h Aufenthalt, ein perfekter Puffer zum Sightseeing. Soweit der Plan am frühen Morgen, also geht es an die Umsetzung.
Bis Turmantas (der Grenzbahnhof nach Lettland) kommen wir richtig gut mit der Bimmelbahn durch. Die Kontrolle denkt zwar, dass wir auf irgendeinen Ticket-Scam reingefallen sind („Kauft nächstes Mal eure Tickets auf unserer Webseite, und nicht bei Interrail, dann sind die auch gültig“), lässt uns aber trotzdem – wahrscheinlich aus Mitleid – mitfahren.

Dann liefen wir einen kleinen Pfad Richtung Grenze, immer an den Schienen entlang, die unser Zug aus Gründen nicht weiterfahren sollte – es wären doch nur 20 weitere Kilometer auf der über 200km langen Strecke gewesen, und der Zug wäre nicht in einem kleinen Kaff geendet, sondern in einer großen Stadt. Kurz nach Passieren der Grenze kam uns allerdings ein recht aggressiver Hund entgegen, sodass wir beschlossen, nicht weiterzugehen und umzukehren.

Zurück in Turmantas stellten wir fest, dass es nur wenige Busse gab, keiner davon in eine sinnvolle Richtung fuhr und wir auch keine Lust hatten, nach Vilnius mit dem Zug zurückzufahren, der hier mehrere Stunden noch Aufenthalt haben sollte. Also beschlossen wir nach langem Hin- und Her, ein Taxi in die nächstgrößere Stadt in unsere Richtung zu nehmen. Mit gebrochenem, sehr eingeschränktem Russisch (natürlich konnte niemand Englisch) konnten wir dem Taxifahrer klar machen, wo wir standen und dass wir nach Zarasai wollten. Und tatsächlich kam dann zwanzig Minuten später ein Taxi vorbei uns brachte uns nach Zarasai. Mit seinen Seen und der Badestelle, die komplett um die Stadt herumgingen erinnert das etwas an Mölln, den Ort, wo J ein paar Jahre seiner Kindheit gelebt hat. Doch wir wollten nicht hier bleiben, sondern nach Riga kommen.
Also holten wir uns erstmal in Ruhe ein Mittagessen im Supermarkt, und dann liefen wir zu Fuß die Straße in Richtung Lettland entlang. Nach ein paar Kilometern hörte der Fußweg an einer Bushaltestelle auf und die Schnellstraße ging ohne Fußweg weiter über die Grenze. Doof, da wollten wir nicht laufen, denn bis zur ersten Bushaltestelle in Lettland wären es noch fünf Kilometer.
Also nahmen wir – einen Tag zu früh – unsere Handtücher raus und unseren Daumen in die Luft und probierten per Anhalter die knapp zwanzig Kilometer bis Daugavpils zu überwinden. Nach etwa zehn Minuten wurden unsere Gebete an Douglas Addams dann auch erhört, wir bedankten uns für den Fisch – ääääh, Geflügeltransporter, der anhielt und uns mitnehmen wollte. Genug Platz für den Rollstuhl war da locker, und so saßen wir wenige Minuten später mit Vlad im Kleintransporter auf dem Weg nach Daugavpils, erzählten über unsere Reise und die Welt und bekamen dann noch eine kleine Stadttour durch die Stadt. Am Bahnhof angekommen hatten wir sogar noch knapp über eine halbe Stunde, bis der Zug nach Riga abfuhr. Der Tag war gerettet, wir sind nicht gestrandet!


Ein wenig Zeit haben wir also noch, um durch die Fußgängerzone zu laufen, dort ein wenig uns umzuschauen und endlich mal eine Post zu finden, wo wir ein paar Postkarten abschicken, die wir schon lange mit uns tragen, da wir keine Lust auf einen Umweg zur Post hatten. Natürlich können die wieder nur Lettisch und Russisch, aber wir haben ja schon von Vlad erfahren, dass in Daugavpils mehr russischsprachige Menschen leben als lettische, also wundert das nicht mehr, und „Deutschland“, „Bitte“ und ein paar Zahlen bekommen wir auch hin.
Dann ab zum Bahnhof, in den etwas sehr in die Jahre gekommenen Zug eingestiegen und ab geht die Fahrt nach Riga. Als wir dort am Abend ankommen, sind wir einfach nur erschöpft und fallen ins Hostel. Aber ein wenig die Stadt anschauen muss noch sein, schließlich ist es kurz vor Zehn und immer noch am Dämmern.

Irgendwann ist es dann tatsächlich mal dunkel, doch wir treffen im Hostel noch auf eine Finnin und einen Engländer, mit denen wir uns noch verquatschen und dann zusammen in eine (Karaoke-)Bar gehen. Einige Stunden und eine angebotene Stadtführung in Helsinki später fallen wir dann auch todmüde in unsere Betten.