Freitag, 3.6: Stockholm
Frühmorgens kam unser Nachtzug pünktlich in Stockholm an. Da wir unser Gepäck nicht den ganzen Tag tragen wollten, fuhren wir zunächst zum Hotel raus, das wir glücklicherweise noch am Stadtrand gefunden haben – wir wurden nämlich wie schon zu Beginn unserer Reise von einem Feiertag überrascht, wegen dem so gut wie alles ausgebucht war. Ich meine, so 50 Tage nach Ostern istAldoch nie Feiertag..
Jedenfalls haben wir ein Zimmer in einem Sportzentrum auf Lidingö bekommen, knapp 10 km vor der Stadt auf einer Insel. Und dahin fuhren wir per U-Bahn und Bus erstmal, haben unser Gepäck bei dem (recht unfreundlichen) Menschen abgegeben, der dort gerade Dienst hatte (nachdem wir zunächst in zwei falsche Gebäude gegangen sind und einen steilen Hügel hoch und wieder runter sind) und dann sind wir wieder in die Stadt gefahren. Als wir wieder in der Innenstadt waren, war es gegen neun Uhr, so früh war der Nachtzug angekommen.

Nach einem kurzen Streifzug durch die Innenstadt haben wir uns einer Stadtführung angeschlossen, mit der wir 150 Minuten durch die Innenstadt sind. Nach diversen Kirchen, einer Bonbonmanufaktur mit Gratisverkostung, den üblichen Stadtbränden im Mittelalter und diversen Museumsempfehlungen (die städtischen Museen sind zum Beispiel alle kostenlos) kamen wir schließlich am Hauptplatz an, wo wir mal wieder was über die Rivalität zwischen Schweden und Dänemark hörten und den Versuch, alle schwedischen Adligen umzubringen – der nur fast funktioniert hat, denn einer der Adligen war nicht auf der Feier, zu der geladen wurde, sondern gerade bei seiner Familie im Garten auf der Nachbarinsel. Und so blieb er verschont, tauchte unter und wurde ein paar Jahre später als König gekrönt.

So verwirrend auch die Geschichten der verschiedensten Gustavs aus den Königshäusern hier sind, so verwinkelt war auch die Innenstadt mit ihren kleinen Gassen und Hinterhöfen. Nach der Stadtführung hatten wir allerdings schon einen Großteil davon gesehen, sodass es uns auf die südlich gelegene Insel zog. Nach einem steilen Anstieg gab es hier ein paar Plätze anzuschauen und ein halbwegs günstiges Mittagessen zu bekommen. Auch die Aussicht auf Altstadt und Hafenbecken war sehr schön.


Danach laufen wir wieder runter, schauen nochmal kurz ins Stadtmuseum rein (es schloss nach 5 Minuten) und machen dann über die Innenstadt zu den kleinen Inselchen im Süden. Schön ist es dort, sehr viel Grün und auf Kastanien scheinen hier viele zu stehen. Am Horizont kommt jedoch schon Unheil heran, es wird ganz düster und wir holen schon mal die Regensachen raus.

Wir beeilen uns also, noch ein paar der Inseln anzuschauen, bevor wir komplett nass werden. Von der einen hat man einen guten Ausblick auf den Freizeitpark, eine Sache, die uns in diversen Stadtzentren aufgefallen ist: Helsinki und Tampere hatten einen direkt in der Innenstadt, und demnächst werden wir (Spoiler!) in Göteborg unser Hostel direkt neben einem beziehen. Von der anderen kann man dagegen wieder auf die Altstadt sehen. Aber da es so langsam anfängt zu tröpfeln, suchen wir neben einem Gebäude Unterschlupf. Das Dach ist überstehend und es gibt eine Bank, also perfekt, um den großen Regenschauer abzuwarten.



Nach einiger Zeit des Wartens kamen aus dem Gebäude, wo wir unterstanden, ein paar Frauen heraus, die eine große Torte trugen. Ein wenig taten sie uns leid, wie sie leicht bekleidet die Torte durch den Regen den Berg hoch schleppten. Als sie wiederkamen, wurden wir von ihnen auf eine Vernissage eingeladen – es gäbe Gratis-Eis. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, also machten wir den Berg hoch, wo uns komisch aussehende Stahl-Bänke, ein paar Kuchen, die Torte, viele Menschen und tatsächlich ein Eisstand erwarteten, wo wir uns ein Eis abholen konnten.


Irgendwann fing dann Musik an zu spielen, eine Frau mit langer (künstlicher) Zunge (sie ging bis zur Brust) kam aus dem Gebäude und fing an, die Kuchen und Torte zunächst mit Sahne zu bespritzen (wobei ein größerer Teil auch ins Publikum spritzte) und dann hat sie sehr grob den Kuchen stückeweise im Publikum verteilt und danach die Torte zusammen mit drei anderen zerstört. Es war einfach nur komisch.

Auf dem Weg zurück sind wir dann noch an einem großen Infostand vorbeigekommen, wo auf drei großen und fünf kleinen Displays wegen der gerade stattfindenden Klimakonferenz verschiedene Infos angezeigt wurden. Im großen und ganzen kam das uns aber eher wie eine Dauerwerbesendung verschiedener Unternehmen vor, die ihre Logos dort zeigten und sich „grün“ präsentieren wollten.
So sind wir dann wieder zurück in unsere Unterkunft, haben eingecheckt (auf einmal waren die Menschen dort total freundlich zu uns, nicht so wie die Person am Morgen) und unser Zimmer bezogen.