Samstag, 30. April: Thessaloniki, Sofia
Früh am Morgen, um 05:15, ging unser Wecker. Gepackt war natürlich schon gestern, sodass wir direkt den Schlüssel abgegeben haben und dann zum Bahnhof sind. Dann sind wir zum Bahnhof, wo um 05:50 unser Zug nach Drama gehen sollte, den wir bis Strymonas fahren wollten. Der Rollstuhl passte exakt durch die Türen des alten Waggons, sodass wir tatsächlich mitfahren konnten (davor wurden wir gestern bereits am Schalter gewarnt, wir hatten daher auch noch kein Hostel für Sofia gebucht, denn von diesem Moment hing ab, wie wir weitermachen sollten).
Drei Stunden später kamen wir also am Bahnhof an, wo die seit Jahren nicht mehr von Passagierzügen befahrene Strecke nach Bulgarien abzweigt. Oder etwa nicht? Die Türen gingen auf, der Schaffner ist ausgestiegen um uns zu helfen, und dann ist der Zugfahrer mit Rollstuhl eingeklemmt in der sich schließen wollenden Tür weitergefahren. Das Winken und schreien des Schaffners auf dem Bahnsteig, der wegen des Rollstuhls auch nicht mehr in den Zug steigen konnte, hat den Lokführer dann doch noch zum erneuten Anhalten gebracht, sodass wir in Ruhe aussteigen konnten.

Wir standen also auf dem Bahnsteig, zusammen mit zwei streunenden Hunden, diversen Katzen und dem Bahnhofspersonal, das sich hauptsächlich um Güterzüge nach Bulgarien und die Besatzung selbiger kümmert, aber uns gern ein Taxi an die Grenze gerufen hat. Laut Infos aus dem Netz sollte das „Schienenersatz-Taxi“ etwa 20€ kosten für die etwa 15km lange Strecke an dke Grenze. Unser Taxifahrer hat allerdings für die Fahrt von fünf Kilometern von Sidirokastro hierher bereits sein Taxameter angemacht, sodass es auf knapp 6€ stand, wo er ankam – naja, dann hat er eben sein Trinkgeld selbst festgelegt, auf die Diskussion hatten wir keine Lust.
Keine 20 Minuten später kamen wir bei einem Stand von 25€ und ein wenig Kleinkram, den der Taxifahrer dankend ablehnte, an der Grenze an. Nun galt es die knapp 2,5km zum Bahnhof Kulata auf bulgarischer Seite zu Fuß zurückzulegen. Erstmal gab es eine Paßkontrolle, und dann durften wir über eine Brücke auf die bulgarische Seite laufen, wo uns der Zoll durchwinkte. Die sind wohl nur an LKWs interessiert, einen wo Zollbeamte gerade verpackte Paletten öffneten sahen wir wenige Meter weiter.


Eine Viertelstunde Später saßen wir dann im bereits bereitgestellten, als internationaler Zug ausgeschriebenen Schnellzug nach Sofia (die bulgarische Bahn hat wohl noch Hoffnung, dass die Griechische eine Lok für die Fahrt über die Grenze bereitstellt.. Früher™ gab es sogar mal einen Kurswagen an unserem Zug aus Thessaloniki, der nach Sofia ging).
Mit #FensterAuf ging es dann im Abteil durch wilde Täler gen Sofia. Ist der Ausblick nicht einfach herrlich?

In Sofia angekommen, erhaschten wir direkt am Bahnsteig gegenüber den Nachtzug nach Istanbul – den wollten wir in ein paar Tagen nehmen, wenn wir unseren Aufenthalt in Sofia beendet haben.

Für Sofia hatten wir in Thessaloniki drei Hostels empfohlen bekommen, aber noch keines gebucht – wir wussten schließlich weder, ob der Rollstuhl in den griechischen Zug passt noch ob das mit dem Taxi an die Grenze klappen sollte. Daher sind wir auf gut Glück ins erste der Hostels gegangen. Natürlich alles ausgebucht, Sofia wird nämlich seit kurzem von Ryanair angeflogen, es ist kurz vor Ramadan und ein paar Ukrainer seien auch hierher geflohen und wären in Hostels untergekommen. In den anderen Hostels solle es genauso aussehen. Wir haben also daraufhin ein wenig überlegt und dann alle Pläne auf den Haufen geworfen: Sofia sollte heute einfach nicht sein, wir legen uns jetzt schon in den Nachtzug nach Istanbul und reservieren hier für in ein paar Tagen bereits ein Zimmer.
Am Bahnhof zurück (diesmal per Tram) haben wir uns also zwei Betten im Vierbett-Abteil geholt (für je etwa 20 Lev, also 10€) sowie nochmal welche für die Rückfahrt. In knapp 90 Minuten hatten wir also jetzt ein Bett. Nochmal ein wenig was trinken geholt und dann ging es zum Zug.


Kurz nach Abfahrt dann ein Schock-Erlebnis: Der Schaffner kannte zwar Interrail, der Zug hatte also kein Gerät zum Scannen des digitalen Tickets dabei, er konnte das Ticket also nicht überprüfen. Danke fürs quasi-Abschaffen des Papiertickets, liebes Interrail-Team, hier haben wir richtig Probleme mit dem digitalen gehabt. Erstmal wurde uns erlaubt, bis hinter die Grenze mitzufahren, und mit dem mulmigen Gedanken, kurz nach Mitternacht am türkischen Grenzbahnhof zu stranden probierten wir (recht erfolglos) einzuschlafen.
Kurz vor Mitternacht dann die Ausreise-Kontrolle der EU (kurz Paß/Ausweis zeigen und fertig, zumindest als EU-Bürger – manch andere:r Reisende:r hatte mehr Probleme, wie wir mitbekommen sollten) und dann ging es nach knapp 40 Minuten Aufenthalt über die Grenze in die Türkei.