Das Wars-schon

Samstag, 21.05: Warschau, (Bialystok,) Suwalki

Da die Verbindungen nach Litauen ab der Abschaffung des fünfmal wöchentlich fahrenden Zuges (Danke, Corona!) sehr bescheiden sind, haben wir heute etwas anders geplant. Zunächst machen wir bis Abends Warschau, dann fahren wir nach Nordost-Polen zum Übernachten. Von dort geht täglich genau ein (Flix-)Bus über die Grenze, allerdings so früh, dass man den nicht mit dem ersten Zug aus Warschau erreicht – den werden wir dann morgen früh nehmen.

Aber zunächst haben wir noch fast einen ganzen Tag in Warschau, und den beginnen wir mit einer Stadtführung. Dieses Mal ist sie etwas viel langweiliger als sonst, wir bekommen unter anderem erzählt, dass die Wehrmacht aus Rache nach dem polnischen Aufstand die ganze Stadt sprengen ließ. Nur zwei Gebäude standen nach dem Krieg noch – die beiden, in denen die deutsche Armee untergekommen war. Das eine ist heute der Regierungssitz, das andere ein berühmtes Hotel, in dem viele namhafte Personen untergekommen sind.

Dann lernen wir noch, dass es im Sozialismus einen Wettbewerb gab, eine Straße zu benennen, und dass der Vorschlag „Winnie-Pooh-Straße“ diesen gewonnen hat – was der Regierung damals nicht sehr gefallen hat, da auch Regierungsgebäude in dieser Straße stehen sollten. Die Mehrheit war aber so überwältigend, dass sie sich nicht trauten, die Wahl zu fälschen und die Straße tatsächlich so nannten – allerdings wurden alle Häuser auf der Straße den umliegenden Straßen zugeordnet und es wohnt niemand auf dieser.

Dann haben wir uns noch das Hochhaus angeschaut, was die Sowjetunion damals „ihren polnischen Brüdern“ zum Geschenk gemacht hat und das jetzt als Wahrzeichen der Stadt dient. Ehemals weiß (aus Fake-Marmor aus dem Uralgebirge) ist es heute eher bräunlich, und da es ein Andenken an die eher sehr unbeliebten Russen ist, wurde schon mehrfach überlegt, ob es nicht abgerissen werden soll. Allerdings haben die Menschen in Warschau es lieb gewonnen, die Bestrebungen kämen vor allem aus dem restlichen Polen.

L mit besagtem Gebäude im Hintergrund. Merkt man den gestern schon per SMS-Warnung angekündigten Sturm?

Nach der Stadtführung besorgen wir uns noch unsere Sitzreservierungen (da es der letzte Zug ist, wollen wir ihn nicht wieder anstehend verpassen wie in Krakau) und müssen dafür fast eine halbe Stunde anstehen – warum auch immer diedas nicht wie die deutsche Bahn machen können und die Leute sich einfach selbst ihre Plätze suchen dürfen.. Naja, wir bekommen letztendlich unsere Reservierungen – sogar für den Rolliplatz – und gehen dann wieder in die Stadt. Beim Einkaufen stellen wir fest, dass wir vergessen haben, dass die Kreditkarte von L nur einen recht kleinen Rahmen hat, denn der Automat will kein Geld ausspucken. Also nochmal kurz bei der Bank amgerufen, ab Montag geht die wieder. Dann müssen wir halt jetzt mit J’s Karte und den uns verbleibenden zwölf Zloty in Bar auskommen.

Es gibt hier im Laden einfach mal Dino-Chips! 🦕🦖😍

Nach einem kleinen Essen streifen wir noch ein wenig durch Hochhäuser und Innenstadt, holen unser Gepäck im Hostel ab und machen dann langsam wieder zum Bahnhof.

Im Zug angekommen fahren wir erstmal zum Ostbahnhof, wo wir ungewöhnlich lange stehen. Bei nur 10 Minuten Umsteigezeit in Bialystok kommt etwas Unbehagen auf – was ist, wenn wir dort stranden? Wir sind gerade im letzten Zug unterwegs..

Während der Fahrt holen wir dann tatsächlich noch die Hälfte unserer zwanzigminütigen Verspätung wieder auf, und da wir nicht die einzigen sind, die in den Zug nach Suwalki umsteigen müssen, wartet er auf uns. Unser Schaffner war sogar so lieb, den Schaffner des Anschlusszugs anzurufen, dass der schon mal die Rampe für den Rollstuhl ausklappen kann.

Polen ist einfach mal flach. Hier die Steppenlandschaft kurz vor Bialystok. Nicht im Bild: der schöne Sonnenuntergang auf der anderen Zugseite

Nach zwei weiteren Stunden kommen wir dann auch in Suwalki an und begeben uns in unsere Unterkunft. Heute haben wir uns ein Vierbettzimmer in einer Pension geholt, das merkwürdigerweise recht günstig und nah am Bahnhof war. Gute Nacht, auch an den kläffenden Hund des Nachbarn, der uns ankündigte.

Zwei Betten wären noch frei..

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