Auf Achse!

Freitag, 13.05: Bukarest, Bragadiru

Da L auf dem Weg ins Hostel in Plovdiv ein Knacken unter ihrem Rollstuhl gehört hatte und ein Blick auf die Achse am Tag darauf verriet, dass diese angerissen war, ging es heute erstmal in die „größte Sehenswürdigkeit Bukarests“, wie die Mitarbeitenden scherzten: Die ‚Motivation Romania‘, eine Rollstuhl-Werkstatt vor den Toren der Stadt. Doch um dort hinzukommen, ging es erstmal mit dem einen Bus nach A, und dann mit einem anderen Bus von A nach B. Allerdings mochte der zweite Bus unsere Kreditkarte nicht als Fahrschein (im Gegensatz zum ersten), weshalb wir mit Hilfe einer lieben Mitfahrenden zunächst versuchten, ein SMS-Ticket zu bekommen (geht aber nur von rumänischer Nummer) und dann nach viel Hin und Her mittels einer App ein Ticket holten. Wie gut, dass uns jemand geholfen hat, mit der App wären wir wohl nicht zurecht gekommen, so ganz auf Rumänisch.

Natürlich waren wir dann sehr abgelenkt, sodass wir erstmal am Ziel vorbeifuhren. Also drei Stationen zu spät ausgestiegen und dann erstmal an der Straße entlang zum nächsten Zebrastreifen, dort rüber und an der Haltestelle gewartet. Und der nächste Bus, ein kleinerer, nahm fast im vorbeifahren eine Wartende mit, doch ließ uns nicht mal die Zeit, von der Haltestelle auf die Straße zu kommen, bevor er davonbrauste. Also nahmen wir den nächsten, der auch sehr bald kam.

Eine Viertelstunde später als verabredet (ganz den bulgarischen Tugenden folgend, die uns die letzten Wochen immer wieder beigebracht wurden – ob das für Rumänien auch gilt?) kamen wir dann an, mehrere Stunden Reperaturzeit erwartend.

Zwanzig Minuten und ein nettes Gespräch später war dann nicht nur die kaputte Achse, sondern auch die alles andere als zentrierten Laufräder gewechselt, der Sturz besser eingestellt und eigentlich alles so, wie es jahrelang sein sollte, aber nicht war. Warum sie dafür kein Geld haben wollten, war uns unklar, wir haben doch extra mehr abgehoben, um diese Reperatur zahlen zu können.

Umso besser, dann können wir jetzt das ganze Geld im Penny auf den Putz hauen. Oder im Lidl, die gibt es hier draußen nämlich fast nebeneinander. Dann geht es, frisch gestärkt nach einem Penny-Frühstück, wieder zurück in die Stadt. Wir schlendern ein wenig durch die Gegend, L ist begeistert von der Architektur mancher Altbauten, die mit ihren Säulen an die römische oder griechische Antike erinnern. Am Parlamentsgebäude (riesiger mehr oder weniger prunkvoller Betonklotz) vorbei geht es in die Innenstadt, wir schauen uns Altstadt, Univiertel und Parks an und treffen wie durch Zufall die Familie wieder, die uns gestern am „Fake Hostel“ geholfen hat. Was für ein Zufall!

Am Abend gehen wir dann noch den Brunnen anschauen, denn L hat herausgefunden, dass es noch Musik dazu geben soll. Auf jeden Fall steht heute der Wind günstiger, sodass wir uns die Dusche sparen können. Und auch nach einer Stunde kommt noch keine Musik. Egal, der Brunnen ist auch so schön, doch wir bekommen langsam Hunger. Wetten, dass die Musik angefangen hat, kurz nachdem wir zum Essen aufgebrochen sind?

Nach dem Essen auf dem Rückweg zum Hostel wird L dann noch von jemanden angesprochen: „Oh, du spielst Pokémon Go? Das hab ich seit 2016 nicht mehr gesehen!“. Und so haben wir die halbe Strecke nach Hause unterhaltsame Begleitung bekommen.

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